17.11.2025

Autor:
Niels Krauch
Chief Technology Officer

Author:
Niels Krauch
Chief Technology Officer

17.11.2025

UKP-Laser

Ein Laser, der Materialien abträgt, bevor sich Wärme ausbreiten kann und dabei weder verbrannte Ränder noch Verformungen hinterlässt: Genau das ermöglichen Ultrakurzpulslaser (UKP-Laser) mit ihren extrem kurzen Lichtimpulsen. Mit jedem Puls wachsen die Chancen für neue Technologien, filigrane Bauteile und außergewöhnliche Materialien.

Punktgenaue Materialbearbeitung mit Lasertechnik

Ultrakurzpulslaser sind hochpräzise Werkzeuge, die durch extrem kurze Pulse Materialien punktgenau bearbeiten, ohne thermische Schäden zu verursachen. Ihre Vielseitigkeit, kombiniert mit der Möglichkeit, unterschiedliche Wellenlängen und Laserformen einzusetzen, macht sie für Industrie, Forschung und Medizintechnik unverzichtbar. Trotz hoher Anschaffungskosten und komplexer Prozesssteuerung bieten sie durch stetige Weiterentwicklungen und neue Technologien immer größere Effizienz und Präzision.

Was ist ein UKP-Laser?

Ein UKP-Laser ist ein spezieller Lasertyp, der extrem kurze Lichtimpulse im Bereich von Pikosekunden (10⁻¹² Sekunden) bis hin zu Femtosekunden (10⁻¹⁵ Sekunden) erzeugt. Diese ultrakurzen Pulse bündeln enorme Energiemengen in winzigen Zeitintervallen. Trifft der Laserstrahl auf ein Material, wird es in Bruchteilen einer Sekunde verdampft, ohne dass Wärme in angrenzende Bereiche eindringt.

Kalte Bearbeitung durch ultrakurze Pulse

Die extrem kurze Pulsdauer des UKP-Lasers ermöglicht eine sogenannte „kalte Bearbeitung“. Dabei schmilzt das Material nicht, sondern geht direkt in den gasförmigen Zustand über. Das macht den Prozess besonders präzise und materialschonend, was einen wesentlichen Unterschied zu herkömmlichen Laserverfahren, die häufig thermische Belastungen verursachen, darstellt.

Materialbearbeitung bei hohen Spitzenleistungen

Die extrem hohen Intensitäten der Pulsspitzen eines UKP-Lasers ermöglichen Bearbeitungen, die mit längeren Pulsen oder kontinuierlich arbeitenden Lasern nicht möglich wären. Bei diesen Spitzenleistungen treten nicht lineare Absorptionsprozesse auf, sodass selbst Materialien wie Glas, Keramik oder Kunststoffe präzise strukturiert werden können. 

Wie funktioniert ein Ultrakurzpulslaser?

Die Technologie hinter einem UKP-Laser basiert auf der Modenkopplung. Dabei werden Lichtwellen im Resonator so synchronisiert, dass ultrakurze Pulse mit extrem hoher Spitzenleistung entstehen. Je nach Anwendung kommen unterschiedliche Lasertypen wie Festkörper- oder Faserlaser zum Einsatz. Diese Kombination aus hoher Energie und ultrakurzer Pulsdauer ermöglicht Bearbeitungen bis in den Nanometerbereich.

Einflussfaktoren auf die Funktionsweise

Mehrere Parameter bestimmen, wie präzise und effizient ein UKP-Laser arbeitet. Sie beeinflussen die Bearbeitungsgeschwindigkeit, die Qualität der Ergebnisse und die Materialschonung.

Grafik der Funktionsweise und Einflussfaktoren eines UKP-Lasers

Wellenlänge

Die Wellenlänge eines Lasers beeinflusst, wie stark ein Material das Licht absorbiert und wie fein Strukturen bearbeitet werden können. Kürzere Wellenlängen wie UV werden besonders effektiv aufgenommen und ermöglichen präzise Bearbeitungen auch bei Materialien, die für Infrarotlicht kaum reagieren.

Pulsdauer

Die Länge eines einzelnen Pulses beeinflusst, wie schnell die Energie ins Material eingetragen wird. Je kürzer der Puls, desto weniger Zeit hat die Wärme, sich auszubreiten. Das ermöglicht präzise Bearbeitung mit minimaler Wärmeeinflusszone.

Pulsenergie

Die Energie, die pro Puls abgegeben wird, bestimmt, wie tief der Abtrag pro Bearbeitungsschritt ist. Höhere Pulsenergien beschleunigen den Materialabtrag, erfordern aber eine exakte Prozesssteuerung, um Risse oder ungewollte Materialschädigungen zu vermeiden.

Repetitionsrate

Die Pulswiederholrate gibt an, wie viele Pulse pro Sekunde erzeugt werden. Eine höhere Repetitionsrate ermöglicht schnellere Prozesse, kann jedoch zu Wärmeakkumulation führen, wenn die Abwärme nicht rechtzeitig abgeführt wird.

Strahlqualität

Die Strahlqualität, oft durch den sogenannten M²-Wert angegeben, beschreibt, wie gut sich der Laserstrahl fokussieren lässt. Ein niedriger M²-Wert ermöglicht eine besonders scharfe Fokussierung und damit die Bearbeitung sehr feiner Strukturen.

Fokusdurchmesser

Der Durchmesser des fokussierten Strahls beeinflusst die Auflösung der Bearbeitung. Kleine Fokuspunkte ermöglichen hochpräzise Bearbeitungen, erfordern aber eine sehr stabile und exakte Strahlführung.

Typen von UKP-Lasern

UKP-Laser gibt es hauptsächlich als Festkörper- oder Faserlaser, die sich in Aufbau und Einsatzgebiet unterscheiden.

Festkörperlaser

Festkörperlaser nutzen als aktives Medium einen Saphirkristall, der mit Titan dotiert ist, um die Laserwirkung zu ermöglichen. Sie erreichen sehr hohe Spitzenleistungen und werden vor allem dort eingesetzt, wo maximale Präzision und extrem kurze Pulse gefragt sind, zum Beispiel in der Forschung oder bei der Mikrostrukturierung.

Faserlaser

Faserlaser bündeln das Licht in einer Glasfaser, wodurch die Systeme kompakt, robust und leicht zu kühlen sind. Sie eignen sich besonders für industrielle Fertigungsprozesse, bei denen Stabilität, einfache Integration und Skalierbarkeit wichtig sind.

Einsatzbereiche von UKP-Lasern

Ultrakurzpulslaser werden in vielen Industrien und Forschungsbereichen zur Laserbearbeitung eingesetzt, da sie Materialien extrem präzise und materialschonend bearbeiten können. 

Elektronik und Halbleiter

In der Elektronikindustrie werden UKP-Laser eingesetzt, um feine Leiterbahnen auf Platinen zu strukturieren, Durchkontaktierungen herzustellen oder Halbleiterwafer zu bearbeiten. Die hohe Präzision und die minimalen thermischen Effekte machen sie ideal für empfindliche Bauteile und komplexe Mikrostrukturen in der Leistungselektronik.

Photovoltaik

In der Photovoltaik-Industrie nutzen Hersteller UKP-Laser, um Solarzellen präzise zu schneiden, zu strukturieren oder zu perforieren. Die exakte Bearbeitung ermöglicht effiziente Zelllayouts und minimiert gleichzeitig Materialverluste.

Hand mit Handschuh hält eine bereits mit Ultrakurzpulslaser (UKP-Laser) strukturierte Solarzelle mit feinen Linienstrukturen.

Medizintechnik

UKP-Laser finden auch in der Medizintechnik Anwendung, etwa bei der Herstellung von Präzisionsinstrumenten oder in der Mikrochirurgie. Die kontaktlose Lasermaterialbearbeitung ohne thermische Schäden ist hier besonders wertvoll.

Forschung & Entwicklung

Auch in der Forschung spielen UKP-Laser eine wichtige Rolle. Sie werden genutzt, um Materialeigenschaften zu testen, Oberflächen zu analysieren oder neue Fertigungsverfahren zu entwickeln. Die Möglichkeit, kleinste Strukturen mit Nanometergenauigkeit zu erzeugen, eröffnet hier viele wissenschaftliche Einsatzmöglichkeiten.

Ein UKP-Laser trägt Material von einer Oberfläche ab. Sichtbar sind Funken, die beim präzisen Abtrag ohne Wärmeeinflusszone entstehen.

Trends und Weiterentwicklungen

UKP-Laser entwickeln sich kontinuierlich weiter. Neue Lasertechnologien und Konzepte verbessern Präzision, Effizienz und Anwendungsvielfalt und eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für industrielle und wissenschaftliche Anwendungen.

Multistrahl-Systeme

Ein wachsender Trend sind Multistrahl-Systeme, bei denen mehrere Laserstrahlen gleichzeitig eingesetzt werden. Dies erhöht die Bearbeitungsgeschwindigkeit, insbesondere bei großflächigen Anwendungen, ohne die Präzision zu beeinträchtigen.

Neue Wellenlängen

UV- oder DUV-Laser eröffnen neue Möglichkeiten in der Präzisionsbearbeitung. Sie ermöglichen höhere Auflösungen und eine bessere Absorption bei speziellen Materialien, wodurch auch sehr feine Strukturen zuverlässig erzeugt werden können.

Automatisierung und Integration

UKP-Laser werden zunehmend in automatisierte Fertigungslinien integriert. Dies verbessert die Prozesssicherheit, steigert die Effizienz und erleichtert die Einbindung in industrielle Produktionsprozesse.

Leistungssteigerung und kompakte Bauweise

Moderne UKP-Systeme sind effizienter und kompakter geworden. Effizientere Verstärker und kleinere Anlagen erhöhen die Flexibilität und erlauben den Einsatz in unterschiedlichsten Produktionsumgebungen.

Niels Krauch
Chief Technology Officer