Laseranwendungen in der Leistungselektronik

Leistungselektronik findet sich heute in nahezu allen modernen Anwendungen – von Elektrofahrzeugen über Energieumrichter bis hin zu industriellen Antrieben. Sie steuert, wandelt und verteilt elektrische Energie effizient und zuverlässig. Mit der zunehmenden Miniaturisierung und den steigenden Anforderungen an Präzision und Effizienz gewinnen Lasertechnologien in der Entwicklung und Fertigung von Leistungselektronik immer mehr an Bedeutung.

Lasertechnologie: Das Rückgrat moderner Leistungselektronik

Die präzise Fertigung leistungselektronischer Komponenten erfordert höchste Genauigkeit und reproduzierbare Qualität. Laserbasierte Fertigungsprozesse ermöglichen Eingriffe im Mikro- und Submikrometerbereich, ohne das Bauteil mechanisch zu belasten.

Was versteht man unter Leistungselektronik?

Leistungselektronik ist ein zentrales Teilgebiet der Elektrotechnik, das sich mit der Umwandlung, Steuerung und Regelung elektrischer Energie befasst. Sie untersucht, wie elektrische Energieströme effizient gelenkt werden können, und beschäftigt sich mit dem Verhalten und der Ansteuerung von Bauelementen wie Transistoren, Dioden oder Thyristoren. Gleichzeitig analysiert sie, wie diese Systeme auf das Stromnetz und andere elektrische Komponenten wirken.

Grundlagen der elektrischen Leistung

Elektrische Leistung wird mit folgender Formel beschrieben:

Darstellung der Leistungsgleichung P = U · I – Basisformel für Anwendungen in der Leistungselektronik.
  • P steht für die Leistung (Power) in Watt (W)
  • U für die Spannung (Voltage) in Volt (V)
  • I für den elektrischen Strom (Current) in Ampere (A)

Diese einfache Formel verdeutlicht: Je höher Spannung oder Strom, desto größer ist die transportierte Leistung und umso wichtiger werden präzise gesteuerte elektronische Bauteile.

Aufbau der Leistungselektronik

Im Zentrum der Leistungselektronik steht die Halbleitertechnik. Halbleiterschaltgeräte steuern den elektrischen Energiefluss, schalten hohe Ströme und Spannungen und bilden damit das Fundament nahezu jeder modernen Anwendung. Die häufigsten Halbleiterschaltgeräte sind Transistoren, Dioden und Thyristoren:

Transistoren

Transistoren sind steuerbare elektronische Bausteine, die in vielen Schaltungen zum Einsatz kommen. Als aktive Schalter ermöglichen sie es, den Strom gezielt durch eine Schaltung zu leiten oder zu unterbrechen, und sind daher unverzichtbar für das präzise Steuern elektrischer Energie.

Dioden

Dioden sind elektronische Bauteile, die Strom hauptsächlich in eine Richtung fließen lassen. Sie besitzen eine Anode und eine Kathode und können ebenfalls als Schalter eingesetzt werden. Im Vergleich zu Transistoren sind sie jedoch einfacher in der Anwendung und besonders robust.

Thyristoren

Thyristoren können hohe Spannungen und Ströme verarbeiten. Sie bieten die Möglichkeit, die durch sie fließende Energie gezielt zu steuern und werden vor allem in leistungsintensiven Systemen eingesetzt.

Nahaufnahme einer Leistungselektronik-Baugruppe mit Steckverbindern und Kabeln – Beispiel für laserbasierte Bearbeitungsprozesse in der Elektronikfertigung.

Leistungselektronik im Alltag

Leistungselektronik begleitet uns im täglichen Leben oft unbemerkt. Ob in Haushaltsgeräten, Computern, Ladegeräten oder elektrischen Antrieben: Überall sorgen leistungselektronische Systeme dafür, dass elektrische Energie effizient gesteuert und genutzt wird.

Beispiel aus der Praxis: Photovoltaikanlagen

Auch in der Photovoltaikindustrie spielt Leistungselektronik eine zentrale Rolle. Die Solarzellen erzeugen zunächst Gleichstrom, der in einem Wechselrichter in netzkompatiblen Wechselstrom umgewandelt wird. Gleichzeitig steuern leistungselektronische Systeme den optimalen Arbeitspunkt der Anlage, um möglichst viel Energie aus der Sonneneinstrahlung zu gewinnen.

Laserbasierte Fertigungsschritte in der Leistungselektronik

Mit dem stetigen Fortschritt in der Leistungselektronik steigen die Anforderungen an die Fertigungstechnologien. Bauelemente wie Transistoren, Dioden und Thyristoren werden immer kompakter, leistungsfähiger und müssen gleichzeitig äußerst zuverlässig arbeiten. Um diese Präzision zu erreichen, kommen in der Produktion zunehmend Lasertechnologien zum Einsatz.

Bedeutung von Laseranwendungen in der Leistungselektronik

Herkömmliche Fertigungsmethoden stoßen bei Anforderungen wie Zuverlässigkeit, Präzision und Effizienz schnell an ihre Grenzen, denn jede Ungenauigkeit kann zu Leistungseinbußen oder Schäden führen, weshalb Laseranwendungen hier entscheidende Vorteile bieten:

  • Hohe Präzision: Laser können Strukturen im Mikrometerbereich bearbeiten. Das ist besonders wichtig, um dünne Leiterbahnen, feine Kontakte oder empfindliche Halbleiterwafer exakt zu formen.
  • Kontaktloses Arbeiten: Im Gegensatz zu mechanischen Verfahren berührt der Laser das Material nicht direkt. Dadurch wird die Gefahr von Beschädigungen oder Verschleiß minimiert.
  • Minimaler Wärmeeintrag: Durch die gezielte Energiezufuhr wird das umliegende Material nur minimal erwärmt. Dies verhindert Verzug, Spannungen oder Materialschäden und sorgt für langlebige, zuverlässige Bauteile.
  • Vielseitigkeit in der Fertigung: Laser lassen sich für verschiedene Aufgaben einsetzen – vom Schweißen und Laserschneiden über die Strukturierung bis hin zum Lasertrimmen oder sogar zur Reparatur kleiner Defekte.
  • Effizienz und Automatisierung: Laserprozesse lassen sich präzise steuern, leicht wiederholen und in automatisierte Fertigungslinien integrieren, wodurch Produktionsgeschwindigkeit und Qualität steigen.
Laseroptik mit Sensorik in der industriellen Anwendung – kontaktlose und präzise Bearbeitung elektronischer Komponenten für die Leistungselektronik.

Wozu werden Laseranwendungen in der Leistungselektronik eingesetzt?

Laser spielen in der Fertigung leistungselektronischer Bauteile eine zentrale Rolle. Ihre Einsatzbereiche lassen sich grob in folgende Punkte gliedern:

Laserschweißen:

  • Verbindung von metallischen Kontakten, Leiterbahnen oder Busbars
  • Besonders wichtig bei kleinen, empfindlichen Bauteilen
  • Schafft stabile, langlebige elektrische Verbindungen

Laserstrukturierung:

  • Präzises Aufbringen oder Trennen feiner Leiterbahnen auf Leiterplatten oder Halbleiterwafern
  • Ermöglicht die Miniaturisierung und hohe Packungsdichte der Bauteile

Laser-Dicing/Trennen von Wafern:

  • Exaktes Vereinzeln von Halbleiterwafern (z. B. Si, SiC, GaN) in einzelne Chips.
  • Minimiert Mikrorisse, Partikel und mechanische Belastung.

Wafer Trimming

  • Selektives Abtragen oder Konturieren von Waferkanten, Entfernen defekter Randzonen oder Anpassen des Waferdurchmessers.

Laserbohren und Mikromaterialbearbeitung:

  • Erstellen von Mikrolöchern, Kanälen oder Kühlstrukturen in Bauteilen
  • Ermöglicht innovative Designs und verbesserte Leistungsfähigkeit

Reparatur und Qualitätskontrolle:

  • Korrektur kleiner Defekte oder Mikrostrukturen
  • Analyse und Optimierung der Bauteilqualität ohne Beschädigung

Prozessoptimierung und Automatisierung:

  • Wiederholbare, hochpräzise Fertigungsprozesse
  • Schnelle Integration in automatisierte Produktionslinien
  • Steigerung von Effizienz und Ausbeute
Ingenieur arbeitet an einer elektronischen Baugruppe mit Kabeln und Platinen – Laseranwendungen ermöglichen präzise Fertigungsschritte in der Leistungselektronik.

Zukunftstrends in der Laserfertigung für Leistungselektronik

Die Fertigung leistungselektronischer Bauteile wird immer anspruchsvoller. Ultrakurze Laserpulse ermöglichen besonders präzises Bearbeiten empfindlicher Materialien. KI unterstützt dabei die Fertigung: Sie überwacht Prozesse in Echtzeit, erkennt Abweichungen und optimiert Parameter automatisch, sodass Qualität und Effizienz steigen. Gleichzeitig helfen diese Technologien, Material zu sparen und die Fertigung nachhaltiger zu gestalten. Die Photonics Systems Group entwickelt weltweit hochpräzise Anlagen- und Prozesslösungen für Laseranwendungen in der Photovoltaik-, Elektronik- und Halbleiterindustrie.

Niels Krauch
Chief Technology Officer