Lasermaterialbearbeitung

Was früher schweres Werkzeug und viel körperlichen Einsatz erforderte, gelingt heute mit einem unsichtbaren Strahl aus Licht. Die Lasermaterialbearbeitung hat sich als hochpräzise, flexible und effiziente Methode etabliert, um Werkstoffe zu bearbeiten.

Was ist Lasermaterialbearbeitung?

Unter Lasermaterialbearbeitung versteht man die Laserbearbeitung von Metallen, Kunststoffen, Keramiken oder anderen Materialien. Dieses Verfahren dient zur gezielten Veränderung von Werkstoffen durch gebündeltes Licht. Dabei wird die Energie eines fokussierten Laserstrahls genutzt, um Material an der Oberfläche physikalisch zu beeinflussen. Grundlage ist der sogenannte Photoeffekt, bei dem Lichtteilchen, sogenannte Photonen, ihre Energie auf das Material übertragen und dabei Teilchen aus dem Verbund lösen.

Das physikalische Prinzip der Lasermaterialbearbeitung

Damit der Laserstrahl das Material beeinflussen kann, muss seine Energie aufgenommen werden. Trifft der Strahl auf eine Oberfläche, wird ein Teil der Energie absorbiert und in Wärme umgewandelt. Weitere Anteile werden reflektiert oder durch das Material hindurchgeleitet. Wie stark die einzelnen Effekte auftreten, hängt vom jeweiligen Werkstoff ab.

Grafische Darstellung der Lasermaterialbearbeitung mit Laserstrahl, verdampftem Material und geschmolzenem Material.

Schmelzen

Bei ausreichend hoher Energie kann der Laser das Material lokal erhitzen, sodass es schmilzt. Dies ist die Grundlage für Verfahren wie Schweißen oder das gezielte Umformen von Bauteilen.

Verdampfen

Noch höhere Energiedichten führen dazu, dass Material verdampft. Dieser Prozess wird genutzt, um präzise Schnitte oder Mikrostrukturen zu erzeugen.

Ablation und Strukturveränderung

Die Laserenergie kann Material an der Oberfläche abtragen oder seine Struktur gezielt verändern, ohne das Werkstück vollständig zu durchdringen. Diesen Prozess nennt man Laserablation. So entstehen langlebige Markierungen, Beschichtungen oder feine Oberflächenstrukturen.

Warum Licht mehr ist als nur Helligkeit: Der Welle-Teilchen-Dualismus

Licht ist für das menschliche Auge in erster Linie Helligkeit, doch physikalisch betrachtet zeigt es sowohl Eigenschaften einer Welle als auch eines Teilchens, was als Welle-Teilchen-Dualismus bezeichnet wird. Für die Lasermaterialbearbeitung ist vor allem die Teilchennatur von Bedeutung. Die gebündelten Photonen des Laserstrahls übertragen ihre Energie gezielt auf das Material und lösen dabei kleinste Partikel heraus. Dieser sogenannte Photoeffekt bildet die physikalische Grundlage vieler Laserprozesse.

Nahaufnahme eines aktiven Laserschneidprozesses mit starkem Funkenflug und fokussiertem Energieeintrag auf die Werkstückoberfläche

Materialabhängigkeit bei der Lasermaterialbearbeitung

Die Wirkung des Lasers hängt stark vom Werkstoff ab. Unterschiedliche Materialien nehmen die Laserenergie verschieden auf, leiten Wärme unterschiedlich schnell ab und reagieren auf die thermische oder physikalische Belastung individuell. Ein gezieltes Verständnis der Materialabhängigkeit ist entscheidend, um präzise Ergebnisse zu erzielen.

Metalle

Metalle wie Aluminium, Kupfer oder Edelstahl haben eine hohe Wärmeleitfähigkeit, wodurch die Laserenergie schnell abgeleitet wird. Um präzise Schmelz- oder Verdampfungsprozesse zu erreichen, ist daher häufig eine höhere Energiedichte nötig. Außerdem beeinflusst die Reflektivität mancher Metalle die Effizienz der Energieübertragung, weswegen Prozessparameter sorgfältig angepasst werden müssen, um gleichmäßige Ergebnisse zu gewährleisten.

Kunststoffe

Kunststoffe sind vergleichsweise leicht kontrollierbar und reagieren gut auf Laserenergie. Sie lassen sich präzise abtragen oder gravieren, ohne die Gefahr, dass das Material unkontrolliert schmilzt oder verbrennt. Die richtige Wahl von Laserleistung und Geschwindigkeit ermöglicht saubere Schnitte und feine Gravuren bei minimalem Materialverlust.

Keramik und Glas

Keramik und Glas haben sehr hohe Schmelzpunkte und eine geringe Wärmeleitfähigkeit. Das macht die Laserbearbeitung anspruchsvoller: Schon kleine Abweichungen in der Energiezufuhr können Risse oder ungleichmäßige Oberflächen erzeugen. Hier sind exakte Energieeinstellungen und Prozesskontrolle entscheidend, um saubere, stabile Strukturen zu erzeugen.

Verbundstoffe

Verbundstoffe, also Materialien aus mehreren Komponenten, reagieren oft sehr unterschiedlich auf Laserenergie. Unterschiedliche Schmelzpunkte, Absorptionseigenschaften und thermische Leitfähigkeiten der Einzelkomponenten erfordern eine präzise Prozesssteuerung. Nur so lassen sich saubere Schnitte oder Gravuren erreichen, ohne dass das Material beschädigt wird.

Holz

Holz reagiert aufgrund seiner organischen Struktur und variierenden Feuchtigkeit besonders individuell. Laserenergie ermöglicht hier präzise Gravuren, feine Schnitte und Markierungen. Allerdings besteht bei zu hoher Energiezufuhr die Gefahr des Verbrennens oder Verkohlens, was zu unsauberen Kanten führt. Ein gut abgestimmtes Verhältnis von Laserleistung, Geschwindigkeit und Fokus sorgt für saubere, helle Schnittflächen und detailreiche Gravuren.

Als Spezialist in der Laser-Mikrobearbeitung entwickeln wir hochpräzise Lasersysteme und Laseranwendungen für die Photovoltaik-Industrie, Elektronik- und Halbleiterindustrie.

Verfahren der Lasermaterialbearbeitung

Zu den wichtigsten Verfahren der Lasermaterialbearbeitung zählen Laser Nutzentrennen, Laserschneiden, Lasergravieren und Lasermarkieren, die präzise Trennungen oder feine Beschriftungen ermöglichen. Ergänzend kommen Laserbohren, Laserhärten und Lasertrimmen zum Einsatz. Welches Verfahren gewählt wird, hängt immer vom Material und dem gewünschten Ergebnis ab.

Schichtweiser Aufbau eines Metallbauteils durch additive Fertigung mit Laserstrahl und integrierter Pulverzufuhr

Vorteile der Lasermaterialbearbeitung

Die Lasermaterialbearbeitung ermöglicht berührungslose, präzise und automatisierbare Prozesse mit hoher Reproduzierbarkeit. Selbst feinste Strukturen lassen sich ohne Werkzeugverschleiß und mit minimaler Wärmeeinflusszone erzeugen. Das spart Material, senkt Betriebskosten und erlaubt die Bearbeitung unterschiedlichster Werkstoffe, von Metallen über Kunststoffe bis hin zur Laserbearbeitung von Keramiken.

Wozu wird die Lasermaterialbearbeitung eingesetzt?

Laser kommen heute in zahlreichen Industriezweigen zur Bearbeitung verschiedener Materialien zum Einsatz. Laserprozesse in der Photovoltaikindustrie ermöglichen die exakte Strukturierung und Bearbeitung sowohl von Silizium-basierten Solarzellen als auch von Dünnschichtmodulen. In der Hochleistungselektronik kommen Ultrakurzpulslaser unter anderem bei der Keramikbearbeitung zum Einsatz, um Bruchfestigkeit und Kantenqualität gezielt zu verbessern. Zu den zentralen Anwendungsfeldern der Lasermaterialbearbeitung zählt auch die Halbleitertechnik, in der feinste Strukturen für Mikrochips sowie flexible Leiterplatten gefertigt werden.

Miniatursensor vor einer feinstrukturierten Platine, gefertigt mit hochpräziser Lasermaterialbearbeitung in der Elektronikfertigung

Kurz zusammengefasst: Lasermaterialbearbeitung

Die Lasermaterialbearbeitung ist eine präzise und flexible Lasertechnologie, die durch den gezielten Einsatz von Laserenergie zahlreiche Bearbeitungsmöglichkeiten an Werkstoffen eröffnet. Mit verschiedenen Verfahren lassen sich je nach Anforderung effiziente Lösungen realisieren.

Niels Krauch
Chief Technology Officer